English belowEvent 4 DemocracyNet.eu 2016

Die ersten drei Veranstaltungen der Reihe “Democracy: Bridging Facts and Norms” zielten darauf ab, über die Beziehung zwischen demokratischen Idealen und Praktiken reflektieren: Es ging um die Grenzen demokratischer Entscheidungsfindung, die Rolle von sozialer Gerechtigkeit für Demokratie, und die Spannungen zwischen (kapitalistischer) Ökonomie und demokratischer Gesellschaft. Diese Veranstaltungen haben gezeigt, dass öffentliche Debatten über das Spannungsverhältnis zwischen demokratischen Idealen und real existierenden Demokratien wichtig und nötig sind.

Doch wer kann und sollte an diesen demokratischen Debatten teilnehmen?

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, besonders in den Politik- und Sozialwissenschaften, werden von Medien, Öffentlichkeit und politischen Institutionen oft als “Experten” angesehen, und um ihre Meinungen zu politischen Fragen gebeten. Manche ForscherInnen gehen auch von sich aus in die Initiative und bringen sich über die Medien in politische Debatten und Diskussionen ein – oder stossen diese sogar an.

Diese Praktiken wecken grundsätzliche Fragen über die Bedeutung von WissenschaftlerInnen in einer demokratischen Gesellschaft, wie zum Beispiel:

  • Gibt es einen Konflikt zwischen der Rolle als WissenschaftlerIn, und der als aktive/r und politisch involvierte/r BürgerIn? Sollten AkademikerInnen den “Elfenbeinturm” der Wissenschaft überhaupt verlassen? Sollten sie sich in die politische “Arena” begeben, Medienanfragen beantworten, und Debatten beeinflussen? Sind sie nur befähigt, über die Ergebnisse ihrer eigenen Forschung zu reden, oder können sie auch eine normative, oder sogar persönliche oder ‘subjektive’ Perspektive einnehmen? Oder haben sie sogar eine gesellschaftliche Pflicht dazu, ihre Stimme in öffentlichen Diskursen einzubringen und wenn ja, in welcher Situationen?
  • Gibt es – in einem sehr allgemeinen Sinne – ‘objektive’ Erkenntnisse der Wissenschaft, welche WissenschaftlerInnen erzeugen? Wenn ja, soll die Politik diese Erkenntnissen folgen? Wenn nein, sind alle Wissenschaftliche Erkenntnisse rein subjektiv oder ideologisch geprägt? Wie werden die Erkenntnisse der Wissenschaft normalerweise in öffentlichen Debatten und in der Politik benutzt?
  • Von welchen Institutionen dürfen ForscherInnen finanzielle Förderung annehmen? Erklären sie sich dadurch mit deren Zielen einverstanden? Sollten SozialwissenschaftlerInnen Politikberatung betreiben und offen Position beziehen?
  • Können sie zu jedem Thema forschen, oder sollte das Forschungsfeld relevant und ‘nützlich’ für real existierende Demokratien und Gesellschaften sein? Sollen ‘Orchideenfächer’ abgeschafft werden? Wie kann man eine ungewollte Nutzung der eigenen Forschung vermeiden? Sollten Artikel in einer rein wissenschaftlichen Sprache geschrieben werden, oder sollte beim Schreiben an eine breitere Leserschaft gedacht werden? Wem “gehören” wissenschaftliche Ergebnisse – der Allgemeinheit oder der ForscherIn?
  • Wie sollte die Beziehung zwischen einer akademischen Reflektion über Demokratie, und existierenden politischen Institutionen? Benötigt es eine Institutionalisierung dieser gesellschaftlichen Reflexion über die Beziehung zwischen Wissenschaft und der Gesellschaft? Und wie könnte eine solche Institutionalisierung aussehen?

Am 20. Oktober werden Katja Gentinetta (Gentinetta*Scholten), Svenja Goltermann (UZH), Michael Hermann (Sotomo) und Thomas Widmer (UZH) an der Universität Zürich sich über diese Fragen unterhalten. Die Diskussion wird von Peer Teuwsen (NZZ) moderiert.

Diese Fragen sind sowohl für AkademikerInnen als auch für die breite Öffentlichkeit in demokratischen Gesellschaften sehr relevant. Das vierte und letzte Event unserer Veranstaltungsreihe “Democracy: Bridging Facts and Norms” soll daher versuchen, einen Raum zu schaffen, in dem die Rolle der Wissenschaft in der und für die Demokratie diskutiert und hinterfragt werden kann.

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Datum: 20. Oktober, 2016 // Date: October 20, 2016
Ort: Universität Zürich, Raum KOH-B-10 // Place: University of Zurich, Room KOH-B-10

Freie Eintritt. Anschliessend Apéro.
Free entrance. Followed by an apéro.
Mit finanzieller Unterstützung von Graduate Campus UZH. // With the support of UZH Graduate Campus.

Facebook event hereUZH Agenda hier (mit Karte)

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We are glad to invite you to the last public event of the series “Democracy: Bridging Facts and Norms,” a podium discussion on the role of academic researchers in democratic societies (in German).

Democracy needs public discussions and debates – but who can take part in them, and how? This podium discussion will focus on the way academic researchers should behave or avoid to behave in democratic societies. Should they at all leave the ivory tower of the university? Should they behave as experts, only providing objective information about their own field of research and correcting evetual mistakes in political discussions? Or should they take every opportunity to make their views and opinions available to the large public?

Katja Gentinetta (Gentinetta*Scholten), Svenja Goltermann (UZH), Michael Hermann (Sotomo) und Thomas Widmer (UZH) will discuss these and other essential questions in a debate moderated by Peer Teuwsen (NZZ).

 

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